Freiflächen-Photovoltaik nach Bundesland: Regeln, Ziele, Preise 2026
Freiflächen-Photovoltaik in allen 16 Bundesländern: Ausbauziele, Landesverordnungen, Netzbetreiber und Pachtpreise 2026 im Überblick und pro Land.

Das Wichtigste in Kürze
Deutschland hat 16 Bundesländer, die Freiflächen-Photovoltaik jeweils eigenständig steuern. Neun Länder haben eine eigene Freiflächenverordnung oder ein vergleichbares Kontingent-Instrument nach § 37c EEG (BW, BY, HE, MV, NI, SN, ST, TH und BB indirekt), sieben Länder nicht (NRW, RP, SL, SH, HB, HH, BE).
Der Zubau 2025 verteilt sich sehr ungleich: Schleswig-Holstein (+636 MW), Niedersachsen (+424 MW), Brandenburg (874 MW) und Sachsen (+ca. 1.125 MW in 2024) führen bei Freiflächen. Bayern und Baden-Württemberg sind zubauseitig ähnlich stark bei geringerem Freiflächen-Anteil.
Klassische Ackerpacht 2023 (Destatis, Bundesdurchschnitt 407 Euro pro Hektar): NRW 560 Euro (Höchstwert), Niedersachsen 643 Euro, Bayern 415, Baden-Württemberg 311, Brandenburg 198, Sachsen 232, Sachsen-Anhalt 429 (Neuverträge 2024), Thüringen 257, Saarland 99 Euro (Niedrigstwert).
Übertragungsnetzbetreiber: 50Hertz (Ost + Berlin + Hamburg), TenneT (Nord/Mitte inkl. Bayern), Amprion (Ruhrgebiet bis Saarland), TransnetBW (Baden-Württemberg). In Hessen: TenneT (Nord/Mitte) und Amprion (Süd) parallel.
Wer im DACH-Markt eine Fläche verpachten will, sollte zuerst wissen: Landesverordnung, Ausbauziel, VNB und Ackerpacht der eigenen Region. Dieser Leitfaden bündelt alle 16 Länder mit Links auf die vertiefenden Länder-Artikel.
Warum Bundesland-Regeln so wichtig sind
Freiflächen-PV wird vom Bundes-EEG grob gesteuert, konkretisiert wird sie aber in drei Ländern-Ebenen:
Landesverordnung nach § 37c EEG ("Öffnungsklausel"): entscheidet, ob Freiflächen-PV in benachteiligten Gebieten an EEG-Ausschreibungen teilnehmen darf. Neun Länder haben so eine Verordnung.
Landesplanung/Landesentwicklungsplan (LEP): definiert Flächenkulisse, Vorranggebiete, Ausschlussflächen (z.B. Landschaftsschutzgebiete, Naturschutzgebiete, hochwertige Böden).
Regionalplanung und Bauleitplanung der Kommune: setzt Bebauungspläne und regelt Rahmenbedingungen wie Ausgleichsflächen, Abstände, Bürgerbeteiligung.
Wer als Flächeneigentümer nur nach Bundesrecht denkt, verpasst die entscheidenden Weichen. Deshalb der Länder-Blick.
Vergleichstabelle: Alle 16 Bundesländer im Überblick
Land | Ausbauziel/Kennzahl PV | Landesverordnung | ÜNB | Wichtigster VNB | Ackerpacht (Destatis)
Baden-Württemberg — 0,2 % Regionsflächenkulisse, ~880 MW/a FF-PV — FFÖ-VO (500 MW/a) — TransnetBW — Netze BW — 311 EUR/ha
Bayern — 80-100 GW PV bis 2040 — Bayerische FF-VO (200 Zuschläge/a) — TenneT — Bayernwerk Netz — 415 EUR/ha
Berlin — 25 % Solaranteil bis 2035 — keine (Solargesetz für Dach) — 50Hertz — Stromnetz Berlin — nicht ausweisbar
Brandenburg — 18 GW bis 2030 — Solar-Euro (BbgPVAbgG) — 50Hertz — E.DIS Netz — 198 EUR/ha (Acker)
Bremen — 500 MW bis 2030 — keine (Dach-Pflicht) — TenneT — wesernetz Bremen — nicht ausweisbar
Hamburg — 500-800 MWp bis 2030 — keine (PV-Strategie) — 50Hertz — Stromnetz Hamburg — nicht ausweisbar
Hessen — 1 % Landesfläche bis 2045 — VO 15.04.2025 (Vorranggebiete) — TenneT + Amprion — Syna, NRM, EAM — nicht extrahiert
Mecklenburg-Vorpommern — 10.000 ha Kontingent — Zielabweichungsverfahren M-V — 50Hertz — WEMAG, E.DIS — 339 EUR/ha (Acker)
Niedersachsen — 65 GW bis 2035 (15 GW FF) — NFreiFlSolarAnlVO (500 MW/a) — TenneT — Avacon, EWE Netz — 643 EUR/ha (Acker)
Nordrhein-Westfalen — 21-27 GW bis 2030 — LEP 2. Änderung 2024 — Amprion — Westnetz — 560 EUR/ha (Acker)
Rheinland-Pfalz — 100 % EE bis 2030, 500 MW/a — keine (nur Teilregionalpläne) — Amprion — Westnetz, Pfalzwerke — nicht extrahiert
Saarland — 1.375 MWp bis 2030 — keine — Amprion — VSE Verteilnetz — 99 EUR/ha (Acker)
Sachsen — +10 TWh EE bis 2030 — Sächsische PVFVO — 50Hertz — MITNETZ, SachsenNetze — 232 EUR/ha (Acker)
Sachsen-Anhalt — keine GW-Zielformulierung — FFAVO seit 2022 — 50Hertz — Avacon, MITNETZ — 429 EUR/ha (Neu 2024)
Schleswig-Holstein — 10 GW PV bis 2030 — Beratungserlass 09/2024 — TenneT — SH Netz — 571 EUR/ha (Acker)
Thüringen — Verdreifachung bis 2030 — ThürPVFflVO seit 2023 — 50Hertz — TEN Thüringer Energienetze — 257 EUR/ha (Neu 2023)
Alle Länderwerte sind Destatis-Landwirtschaftszählung 2023 (Ackerland) oder aktuellere Landeserhebungen. Für Vermarktungs-Pachten Freiflächen-PV liegen die Werte 2026 zwischen 2.000 (Saarland-Konversion) und 6.000 Euro pro Hektar und Jahr (NRW, SH, NI).
Die 9 Länder mit Freiflächenverordnung (Öffnungsklausel EEG)
Die folgenden Länder haben eine Landesverordnung nach § 37c EEG, die Freiflächen-PV in benachteiligten Gebieten für EEG-Ausschreibungen öffnet:
Baden-Württemberg: FFÖ-VO seit 2017 (Juni 2022 auf 500 MW/a Kontingent erhöht)
Bayern: Bayerische FF-VO seit 2018 (Juli 2020 auf 200 Zuschläge/a erhöht)
Hessen: Verordnung 15.04.2025 (Freistellung Vorranggebiete Landwirtschaft)
Mecklenburg-Vorpommern: Zielabweichungsverfahren M-V (10.000 ha Kontingent seit April 2026)
Niedersachsen: NFreiFlSolarAnlVO (Februar 2025 auf 500 MW/a Deckel erhöht)
Sachsen: Sächsische PVFVO (Jahres-Deckel seit 16.05.2024 aufgehoben)
Sachsen-Anhalt: FFAVO seit 26.02.2022
Thüringen: ThürPVFflVO vom 04.07.2023
Brandenburg: keine eigene FF-VO, aber Solar-Euro (BbgPVAbgG) als vergleichbares Lenkungsinstrument
Die 7 Länder ohne eigene Freiflächenverordnung
Nordrhein-Westfalen: steuert über LEP 2. Änderung 2024 und Landes-Förderung
Rheinland-Pfalz: setzt auf Teilregionalpläne der Planungsregionen
Saarland: Grundlage EEG plus Landesbauordnung
Schleswig-Holstein: Beratungserlass 09/2024 statt Verordnung
Bremen: Stadtstaat, keine relevante FF-PV
Hamburg: Stadtstaat, PV-Strategie mit Dach-Fokus
Berlin: Stadtstaat, Solargesetz Berlin für Dach
Fünf Muster in den Länder-Regeln
Wenn Sie die 16 Landing Pages durchgehen, fallen fünf Muster auf:
1. Ost-West-Trennung bei Ackerpacht: Ostdeutsche Länder (BB 198, SN 232, TH 257, MV 339) haben deutlich niedrigere Ackerpachten als westdeutsche (NRW 560, NI 643, SH 571). Das treibt die Zahlungsbereitschaft der Projektentwickler im Westen nach oben.
2. Nord-Süd-Trennung bei Netzstruktur: Norden (50Hertz + TenneT) und Süden (Amprion + TransnetBW) haben grundlegend andere ÜNB. TenneT bildet die "Nord-Süd-Brücke" (Nord bis Bayern).
3. Konversionsflächen als politischer Fokus im Osten: Braunkohle-Tagebaufolge (BB Weesow, SN Witznitz, ST Zerbst und Phönix-Nord) sind bevorzugte Standorte für Großprojekte über 100 MW.
4. Verfahrensbeschleunigung in BW und Bayern: Beide Länder haben 2025 Verfahren-Erleichterungen (BW: verfahrensfrei; BY: verfahrensfrei für privilegierte Vorhaben), Norddeutschland zieht mit Beratungserlassen nach.
5. Kommunalbeteiligung als neues Instrument: BB (Solar-Euro 2.000 Euro/MW/a), ST (2,5 Cent/kW seit 10/2025), TH (Gesetz für Wind, geplant für PV), MV (im Zielabweichungsverfahren verpflichtend). Der Trend geht klar zur pflicht-mäßigen Kommunal-Zahlung.
Was das für Ihre Fläche heißt
Bevor Sie mit Projektentwicklern verhandeln, klären Sie:
Landesspezifische Regelung: Gibt es eine Freiflächenverordnung? Ist Ihre Fläche in einem benachteiligten Gebiet?
Landesplanung: Ist Ihre Region als Vorranggebiet oder Ausschlussfläche im LEP ausgewiesen?
Kommunale Ebene: Existiert ein Bebauungsplan, oder muss die Kommune erst einen aufstellen?
Netzanschluss: Wer ist Ihr VNB (siehe Länder-Übersicht oben)? Wie weit zum nächsten Umspannwerk?
Marktpreis: Wie hoch ist die klassische Ackerpacht in Ihrer Region als Referenz?
Nutzen Sie unsere Tools für die Basis-Prüfung:
Netzabstandscheck: Wie weit ist Ihre Fläche vom nächsten Umspannwerk?
Privilegierungs-Check: Ist Ihre Fläche nach § 35 BauGB privilegiert?
Opportunitätskosten-Rechner: Was bringt PV-Verpachtung im Vergleich zur aktuellen Nutzung?
Grundsteuer-Einordnung: Was ändert sich steuerlich bei PV-Nutzung?
Weiterlesen
Für den Gesamtüberblick zu Ablauf, Verträgen und Wirtschaftlichkeit:
Freiflächen-Photovoltaik - der komplette Leitfaden
Fläche verpachten - allgemeiner Verpachtungs-Leitfaden
Pachtpreise Photovoltaik - aktuelle Marktpreise
Pachtvertrag Energieflächen - Vertragsklauseln im Detail
Für spezifische Nutzungsformen:
Agri-Photovoltaik - PV mit landwirtschaftlicher Doppelnutzung
Batteriespeicher - BESS als Alternative oder Ergänzung
Windenergie - Wind an Land
Wie Ventorio Ihnen hilft
Reichen Sie Ihre Fläche kostenlos ein. Wir prüfen die Basis-Eignung Ihrer Fläche, holen Angebote qualifizierter Projektentwickler ein und begleiten Sie durch die Vertragsverhandlung. Wir kennen die 16 Länder-Regelwerke und ordnen ein, was in Ihrer Region konkret möglich ist.
Quellen
Alle Fakten aus den 16 Länder-Landing Pages. Zentrale übergreifende Quellen:
Destatis Pressemitteilung Nr. 153/2024: Pachtpreise Landwirtschaft Bundesländer 2023
Bundesnetzagentur: EEG-Ausschreibungsergebnisse 2024/2025
Fachagentur Wind und Solar: Länderinformationen aller 16 Bundesländer (2024-2026)
Bund-Länder-Kooperationsausschuss: PV-Zubau-Bericht 2024
Clearingstelle EEG/KWKG: Landesverordnungen § 37c EEG
Solarserver / pv-magazine: laufende Berichterstattung 2024-2026

Gründer & Geschäftsführer
Markus ist seit 2018 in der Photovoltaik-Branche aktiv und beschäftigt sich strategisch mit Plattformökonomie, Marktstrukturen und der wirtschaftlichen Bewertung von PV-Flächen.
Alle Artikel von Markus →
Dieser Artikel wurde von Dominik Reeg lektoriert am 30. August 2026.
Mehr über Dominik →Das könnte Sie auch interessieren
Bereit, den nächsten Schritt zu gehen?
Reichen Sie Ihre Fläche ein und erfahren Sie kostenlos, ob sie für Freiflächen-PV, Agri-PV, BESS oder Windenergie geeignet ist.