StartseiteRatgeberAusgleichsfläche berechnen: Faktoren und Verfahren 2026
    Ratgeber

    Ausgleichsfläche berechnen: Faktoren und Verfahren 2026

    Wie Ausgleichsflächen berechnet werden. Landesspezifische Bewertungsverfahren, Beispiele, Faustregeln für Windkraft, Solar und Bauvorhaben.

    Markus LaueMarkus Lauelektoriert vonDominik ReegDominik Reeg30. August 2026Lektoriert: 30. August 2026 8 Minuten Lesezeit
    Ausgleichsfläche berechnen: Faktoren und Verfahren 2026

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Berechnung folgt in allen Ländern einem Biotopwertverfahren. Grundprinzip: Aufwertungsdifferenz zwischen Ausgangs- und Zielzustand einer Fläche wird in Wertpunkten oder Ökopunkten quantifiziert.

    • Die Verfahren unterscheiden sich zwischen den Bundesländern erheblich. Ein Bayern-Gutachten passt nicht in Niedersachsen. Details im Vergleich der Ökokonto-Verordnungen.

    • Für Windkraftanlagen und Freiflächen-Photovoltaik existieren häufig eigene Bewertungsleitfäden (z. B. HzE Vertikalstrukturen in MV, Vollzugshinweise BayKompV 12/2024).

    • Bundesweit einheitlich verbindliche Berechnungsformeln gibt es nicht. Nur für Vorhaben in Bundesverwaltung gilt die BKompV mit standardisierten Methoden. [1]

    • Faustregeln sind Anhaltspunkte, ersetzen aber nicht die Bewertung durch die Untere Naturschutzbehörde oder ein Fachbüro.

    Grundprinzip: Aufwertungsdifferenz

    Jede Berechnung folgt dem gleichen Schema:

    1. Ausgangszustand kartieren und bewerten (Biotoptypen, Boden, Wasser, Arten)

    2. Zielzustand definieren und bewerten

    3. Differenz ergibt die anrechenbaren Wertpunkte

    4. Umrechnung in Ökopunkte nach Landesregel

    Beispiel: Wenn Intensivgrünland mit 8 Wertpunkten pro Quadratmeter zu artenreichem Extensivgrünland mit 22 Wertpunkten aufgewertet wird, ergibt das eine Aufwertungsdifferenz von 14 Punkten pro Quadratmeter. Bei 1 Hektar (10.000 Quadratmeter) sind das 140.000 Ökopunkte.

    Landesspezifische Verfahren

    Alle 16 Bundesländer arbeiten mit Biotopwertverfahren, aber mit unterschiedlichen Bewertungsgrundlagen:

    • Baden-Württemberg: LUBW-Feinmodul zur Anlage 2 ÖKVO, mit Bewertung Biotop plus Schutzgüter Boden, Wasser, Klima, Arten

    • Bayern: Formel K = A × WP × F (Fläche × Wertpunkte × Faktoren) nach BayKompV, Wertstufen 1 bis 15

    • Nordrhein-Westfalen: Numerische Bewertung Biotoptypen nach LANUK-Arbeitsblatt 61 (Stand 09/2023)

    • Hessen: Wertpunkte pro Quadratmeter nach Anlage KV Hessen, 0,35 Euro pro WP Bemessungsgröße

    • Schleswig-Holstein: 1 Ökopunkt = 1 Quadratmeter nach Anlage 1 ÖkokontoVO SH, mit Zuschlägen 5 bis 100 Prozent

    • Niedersachsen: Osnabrücker Kompensationsmodell (Neufassung 2025) oder Niedersächsischer Städtetag-Modell

    • Mecklenburg-Vorpommern: HzE M-V (Neufassung 2018) mit gesonderter HzE Vertikalstrukturen für Windkraft

    • Sachsen: Handlungsempfehlung Sachsen mit Biotopwertliste (Fassung 2009 oder 2017)

    • Sachsen-Anhalt: Bewertungsmodell LSA (RdErl. 16.11.2004)

    • Thüringen: Bilanzierungsmodell (TMLNU 2005)

    Details im Vergleich der Bundesländer und in Ökopunkte: Bewertung und Biotopwertverfahren.

    Beispiele nach Vorhabenart

    Windkraftanlage

    Der Kompensationsbedarf für eine einzelne Windkraftanlage variiert stark:

    • Fläche des Anlagenstandorts (Fundament, Kranstellfläche, Zuwegung)

    • Rotorüberschlag (Bewertung nach HzE Vertikalstrukturen in MV, ähnlichen Leitfäden in anderen Ländern)

    • Bodeneingriffe durch Kabelverlegung

    • Artenschutz (Vögel, Fledermäuse, ggf. gesonderte CEF-Maßnahmen)

    Grobe Größenordnung: 3 bis 6 Hektar Kompensationsfläche pro Windkraftanlage, stark abhängig vom Standort und der Landesbewertung. Konkrete Berechnung durch Umweltverträglichkeitsstudie im Genehmigungsverfahren.

    Freiflächen-Photovoltaikanlage

    • Versiegelungsanteil (Fundamente, Zaun, Wechselrichterhäuser): meist 1 bis 3 Prozent der Modulfläche

    • Bodenveränderung im Modulbereich (Beschattung, veränderter Wasserhaushalt)

    • Artenschutz je nach Standort

    Grobe Größenordnung: 10 bis 30 Prozent der Modulfläche als Kompensation, abhängig vom Ausgangszustand und Landesbewertung.

    Baugebiet

    Kompensationsbedarf richtet sich nach:

    • Versiegelter Fläche

    • Verlorenen Biotopen

    • Verlorenen Bodenfunktionen

    • Landschaftsbildbeeinträchtigung

    Grobe Größenordnung: 30 bis 70 Prozent der Neuversiegelung als Kompensationsfläche (stark schwankend).

    Straßenneubau

    • Trassenfläche mit Versiegelung

    • Straßenrandbiotope

    • Zerschneidungswirkung (v. a. für Wildtiere)

    • Grundwasserabsenkung

    Grobe Größenordnung: 20 bis 40 Prozent der Trassenfläche zusätzlich als Kompensation.

    Alle Zahlen sind Anhaltspunkte, keine belastbaren Berechnungen. Details in Ausgleichsfläche für Bauvorhaben: Bedarf und Beschaffung.

    Bundeskompensationsverordnung (BKompV)

    Für Vorhaben in Bundesverwaltung (Autobahnen, Bundeswasserstraßen, Höchstspannungsleitungen, Offshore-Wind, Bundeseisenbahn, militärische Vorhaben) gilt die BKompV mit standardisierten Bewertungsanlagen. [1] Für alle anderen Vorhaben (kommunale Bauleitplanung, Windenergie an Land, Freiflächen-Photovoltaik, private Bauvorhaben) gilt Landesrecht.

    Was Sie tun sollten

    Wenn Sie einen Eingriff planen:

    1. Bewertungsverfahren des Landes klären

    2. Fachbüro mit UVS-/LBP-Erfahrung beauftragen

    3. Frühzeitigen Kontakt zur Unteren Naturschutzbehörde

    4. Kompensationsbedarf ermitteln lassen und Beschaffung parallel starten

    Wenn Sie eine Fläche einbringen wollen:

    1. Ausgangskartierung durch Fachbüro

    2. Aufwertungspotenzial abschätzen

    3. Vorprüfung bei der Unteren Naturschutzbehörde

    4. Ökokonto anlegen oder direkt mit Käufer verhandeln

    Details in Ökokonto anlegen.

    FAQ

    Kann ich Ökopunkte selbst berechnen?

    Grobe Schätzungen mit den Landes-Biotopwertlisten sind möglich. Die verbindliche Berechnung erfolgt aber immer durch die Naturschutzbehörde oder ein anerkanntes Fachbüro.

    Gibt es einheitliche Formeln?

    Nur für Vorhaben in Bundesverwaltung nach BKompV. Für alle anderen Vorhaben gilt Landesrecht mit eigenen Formeln.

    Wie schnell ist eine Berechnung fertig?

    Fachbüro-Berechnungen für ein mittleres Vorhaben typischerweise 4 bis 8 Wochen, abhängig von Kartiersaison und Datenlage.

    Was kostet eine Berechnung?

    Mehrere tausend Euro für kleine Vorhaben bis hin zu sechsstelligen Beträgen für Windparks. Kalkulieren Sie mit 1 bis 3 Prozent der Baukosten für Umweltplanung inklusive Kompensation.

    Werden Ökopunkte verzinst?

    In einigen Ländern ja (Hessen 4 Prozent pro Jahr, Hamburg 3 Prozent). Details in Ökokonto einfach erklärt.

    Wie Ventorio Ihnen hilft

    Ventorio schätzt Ihre Fläche und ordnet sie einer möglichen Kompensations-Anwendung zu.

    Sie besitzen eine Fläche: Fläche kostenlos einschätzen lassen

    Sie suchen Kompensationsflächen: Kompensationsflächen über Ventorio suchen

    Quellen

    [1] Bundeskompensationsverordnung (BKompV) vom 14.05.2020, BGBl. I 2020 Nr. 25 S. 1088; zuletzt geändert 22.12.2025

    [2] Landesverfahren: LUBW Feinmodul (BW), BayKompV (BY), LANUK Arbeitsblatt 61 (NW), Anlage KV Hessen, Anlage 1 ÖkokontoVO SH, HzE M-V, Osnabrücker Kompensationsmodell 2025 (NI)

    [3] Bayerisches Ministerialblatt 2025 Nr. 4: Vollzugshinweise BayKompV, Anwendung Windenergie und Freiflächen-Photovoltaik

    Stand: 30. August 2026

    Artikel teilen:
    Markus Laue
    Autor dieses ArtikelsMarkus Laue

    Gründer & Geschäftsführer

    Markus ist seit 2018 in der Photovoltaik-Branche aktiv und beschäftigt sich strategisch mit Plattformökonomie, Marktstrukturen und der wirtschaftlichen Bewertung von PV-Flächen.

    Alle Artikel von Markus →
    Dominik Reeg
    Qualitätssicherung

    Dieser Artikel wurde von Dominik Reeg lektoriert am 30. August 2026.

    Mehr über Dominik →

    Das könnte Sie auch interessieren

    Bereit, den nächsten Schritt zu gehen?

    Reichen Sie Ihre Fläche ein und erfahren Sie kostenlos, ob sie für Freiflächen-PV, Agri-PV, BESS oder Windenergie geeignet ist.

    Kostenlos In 5 Minuten DSGVO-konform